Schließung einer Ausstellung

„Meinungsunfreiheit und danach“

Die Aichi Triennale 2019 im japanischen Nagoya geriet fast gleich nach der Eröffnung am 1. August zu einem skandalösen Fall. Am 3. August hat Hideaki Omura, Gouverneur der Präfektur Aichi, der geschäftsführende Direktor des Kunstfestivals, angeordnet, die Sektion "Meinungsunfreiheit und danach" zu schließen. Künstler und Bürgerinitiativen vor Ort protestieren gegen diese Entscheidung und fordern die sofortige Wiedereröffnung der Ausstellungssektion. Die Triennale dauert noch bis zum 14. Oktober 2019.

 

In der Sektion "Meinungsunfreiheit und danach!" wurden Exponate von südkoreanischen und japanischen Künstlern präsentiert, die in Japan zensiert oder von Ausstellungen ausgeschlossen wurden, darunter auch die "Mädchenstatue für den Frieden" (abgekürzt: Friedensstatue) vom südkoreanischen Künstlerehepaar Kim Seo Kyung und Kim Eun Sung. Als historischer Hintergrund dieser Statue gilt das Sexsklavereisystem durch das japanische Militär im Zweiten Weltkrieg. Die Existenz dieses institutionalisierten Systems wird von der heutigen japanischen Regierung gelegentlich verleugnet, trotz internationaler Beschlüsse und Empfehlungen, solche Leugnungen zurückzunehmen.

 

Foto: Doo Hee Lee

 

Schließung aufgrund Erpressung?

 

Offenbar empfingen auch hier die Veranstalter Erpressungstelefonate und -faxe, womit überall auf der Welt die Veranstalter einer Friedensstatueausstellung rechnen müssen. Die Triennale ist also keine Ausnahme.

 

Nach Medienangaben in Japan und Korea begründete der Gouverneur von Aichi die Schließung der Sektion u.a. mit einem Erpressungsfax, in dem ein Brandanschlag durch einen Besucher angedroht wurde. Ob die Polizeikräfte der Präfektur Aichi nicht kompetent genug sind, mit solchen Erpres-sungen zurecht zu kommen, ist unklar. Es wurde auch mitgeteilt, dass die Museumsmitarbeiter ca. 1000 gegen die Statue gerichtete Mails und Telefonate bekommen hatten.

 

Obwohl der Gouveneur mit einem Sicherheitsproblem argumentiert, sahen die Kritiker die tatsächlichen Gründe in der Einmischung der rechtsorientierten politischen Szene. Takashi Kawamura, Oberbürgermeister der Präfektur-Hauptstadt Nagoya, war einen Tag davor in der Ausstellungshalle und nannte diese Statue ein "Exponat, das die Herzen der Japaner zertritt" und kündigte an, von dem Gouverneur die Schließung der Ausstellung zu fordern. Nach verschiedenen Medien in Korea sagte er auch, dass die Geschichte der "Trostfrauen" nicht wahr sein könne. Seitens der japanischen Regierung deutete Chefskabinettssekretär Suga an demselben Tag auch die Möglichkeit einer Zuschussminderung wegen der Ausstellung der Friedensstatue an.

 

Publikumsmagnet Friedensstatue

 

Als die eventuelle Schließung der Statueausstellung bekannt wurde, haben die Bürger vor Ort einander darüber informiert, so dass am 3. August vor der Ausstellungshalle für die Sektion "Meinungsunfreiheit und danach" eine lange Warteschlage entstand. Künstlerin Kim Seo Kyung äußert sich dazu, wie das Publikum fast zärtlich mit dem Statuemädchen umging. Eine ältere japanische Besucherin versicherte ihr gegenüber, dass die Statue einen Resonanzraum bietet, in dem man sich in die Leiden und Trauer jener Mädchen und jungen Frauen hineinzufühlen beginnt. Ein japanisches Mädchen, so Kim, sprach sanft über den Vogel auf der Schulter des Statuemädchens. Er sei da, damit sich das Mädchen nicht ganz allein fühlt. Kim frage sich, ob die japanische Regierung gerade diese Kontemplation hindern wollte.

 

Denk ich an Deutschland ...

 

Sowie anonymer Mail- und Telefonterror und auch massive Verhinderungsversuche der japanischen Botschafter eine Friedensstatueausstellung hier in Deutschland begleiten, so ist auch eine neue Entdeckungsfreude beim Publikum nicht gering. Während der sechswöchigen Ausstellung einer bronzenen Friedensstatue im Hamburger Dorothee-Sölle-Haus (2018) versuchte das japanische Konsulat in Hamburg vergeblich, mit teils abenteuerlicher Begründung die Ausstellung schließen zu lassen. Von dieser Ausstellungszeit sind einige Erfahrungen des Publikums bekannt. Einer lernt dabei ein verborgenes Kapitel des Zweiten Weltkriegs kennen, ein anderer erinnert an mißbrauchte Kinder in heutiger Zeit. Der Wunsch nach Frieden ist überall auf der Welt. Abgesehen von der versuchten Einflußnahme seitens des japanischen Konsulats verlief die Hamburger Ausstellung ansonsten in geregelten Bahnen.

 

 

04.08.2019

Eun Hi Yi